Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Fazitgespräch mit Hans Knauss

Gemein­sam mit Sab­rina Lut­ten­berger für Fazit, die voll­ständige Aus­gabe (neues Lay­out!) finden Sie hier.

Fotos: Mar­ija Kanizaj/Aufsteirern

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Im Leben von Hans Knauss haben oft Hun­dert­s­telsekun­den entsch­ieden. Bei der WM-Bronzemedaille 1999 fehlte ihm genau eine Hun­dert­s­tel auf die bei­den vor ihm liegen­den Welt­meis­ter, bei der Sil­ber­medaille vier Jahre später nur drei Hun­dert­s­telsekun­den auf den ober­sten Stock­erlplatz. Inzwis­chen geht es nicht mehr so knapp zu. Trotz­dem findet das Inter­view, ganz effizient, in den Pausen eines Pres­seter­mins im Rah­men des »Auf­steir­erns« statt, wo Knauss als Tra­cht­en­model einen Auftritt hat. Mit­ten auf dem Grazer Haupt­platz, auf frischen Holzspä­nen und neben einer kleinen Holzblock­hütte beginnt das Inter­view und wie auf der Skip­iste scheint Knauss alles um ihn herum aus­blenden zu kön­nen. Nicht ein­mal die kurze Unter­brechung für einen Fototer­min bringt den Gesprächs­fluss durcheinander.

Hans im Glück

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Herr Knauss, wie viel mussten Sie heuer schon für Ihre Kam­er­afahrten trainieren, die Sie vor jedem alpinen Weltcupren­nen für den ORF machen?
Ich höre eigentlich nie auf zu trainieren. Auf Skiern muss ich zwar grund­sät­zlich nicht mehr viel machen, da reicht mein Kön­nen von früher. Ich kämpfe ja nicht um die let­zten Sekun­den. Und wenn ich kör­per­lich fit bin, dann stell ich mich auf die Bret­ter und fahre. Also Fit­nessstu­dio, Berg­steigen, Moun­tain­biken. Das mach ich eh gern, weil ich die Natur liebe. Es ist mein Hobby und gle­ichzeitig brauch ich es auch beru­flich.

Haben Sie noch den Ehrgeiz, mit ein paar von den Aktiven mitzuhal­ten?

Es gibt selbst für mich ab und zu noch High­lights. Wenn ich merke, dass ich auf einer schw­eren Abfahrt fünf Schwünge auf blankem Eis hin­lege, ohne irgen­deinen Wack­ler … super.

Sie sind auch noch nie gestürzt, trotz eines recht hohen Tem­pos.

Ich bin ein­mal in Sölden im Neuschnee gele­gen. Aber gestürzt bin ich Gott sei Dank noch nicht. Ich fahr zwar statt 130 km/h nur 110 km/h, nehme schon auch Risiko raus, aber es gibt Pas­sagen, da geht es nicht ohne. Und wenn ich das gut meis­tere, dann fängt es mir an zu tau­gen. Das Ski­fahren war mein Leben und ist es nach wie vor.

Wie sieht Ihr Train­ing aus, kön­nen Sie sich noch annäh­ernd so quälen wie früher?

Wenn ich einen guten Tag habe, dann geht das super. Wenn nicht, quatsch ich halt mehr mit den Leuten im Fit­nessstu­dio und geh wieder heim.

Und wie ist das Ver­hält­nis von guten und schlechten Tagen?

Naja. Sagen wir drei gute, zwei schlechte … Früher war das zum Teil gnaden­loser Druck. Heute ist das im Ver­gle­ich dazu fast Hob­bysport. Und es ist schon ein riesiger Unter­schied, ob man noch die let­zten drei Sekun­den für den Weltcup holen will oder ob es darauf nicht ankommt.

Wie lange wären Sie noch weit­erge­fahren, wenn Sie Ihre Kar­riere nicht wegen der Dop­ingvor­würfe hät­ten been­den müssen?

Mein Ziel waren noch drei Jahre. Aus­gerech­net in dem Jahr, wo ich aufhören musste, hab ich meine besten Werte abgeliefert, das Umfeld hat gepasst und alles war auf einem guten Weg. Im Jahr darauf wäre Olympia gewe­sen und dann die Welt­meis­ter­schaft in Aare.


Ärg­ert es Sie dann nicht, dass Sie sich heute zwar immer noch den Hang run­ter­stürzen, aber eigentlich nicht mehr viel dafür bekom­men?

Nein, ich bin froh, dass mein Hobby noch immer mein Beruf ist.

War es nicht die denkbar blödeste Art, seine Kar­riere zu been­den?

Es war die zweit­blödeste. Irgendwo zu stürzen und dann im Netz zu zap­peln, einen bleiben­den Schaden davonzu­tra­gen, das wäre das Blödeste gewe­sen. Ich war zum Glück nie ern­sthaft ver­letzt. Aber jeder hat sein Pack­erl zu tra­gen. Die Art und Weise, wie ich hab aufhören müssen, hat mir damals schon einen irrsin­ni­gen Klopfer ver­passt.

Wie sehen Sie heute die Dop­ingvor­würfe gegen andere Leis­tungss­portler?

Ich werde nie eine Sportart pauschal verurteilen, auch wenn einige Aus­dauer­sportarten bru­tal über die Grenze gegan­gen sind. Aber wenn dann ein paar dabei sind, die nichts nehmen, dann tut man denen so furcht­bar unrecht. Das Gefühl habe ich erleben müssen und deshalb hüte ich mich vor solchen Urteilen.

Die Öster­re­icher standen aber trotz der Vor­würfe immer hin­ter Ihnen.

Es hat schon eine Zeit gebraucht. Und bisher bin ich in Europa immer noch der Einzige, der Verun­reini­gung bei Nahrungsergänzungsmit­teln hat beweisen kön­nen. Ich bin vom Vor­satz freige­sprochen wor­den, habe auch in Amerika den Prozess gegen die Her­steller gewon­nen und ich bin froh, dass das gelun­gen ist. Ich war damals ja ein Bauernopfer der FIS, die haben gepok­ert und es hätte kein besseres Opfer geben kön­nen. Ich war verzicht­bar, aber ich war gut genug, damit man an mir ein Exem­pel sta­tu­ieren kon­nte. So bein­hart ist das. Und ich hab damals viel gel­ernt. Wer heute glaubt, dass die Olympiaver­gabe wegen der Natur und der regionalen Gegeben­heiten entsch­ieden wird, der ist völ­lig blauäugig. Es geht um Poli­tik und um Geld. Das ist knall­hartes Busi­ness.

Der ORF hat Ihnen sehr schnell, zwei Monate nach Ihrem Rück­tritt, eine Stelle als Kom­men­ta­tor gegeben …

Die haben das ja alles voll mit­bekom­men und begleitet. Die wussten genau, wie und warum das zus­tande gekom­men ist. Für die war klar, dass ich mehr Opfer bin, als dass ich sel­ber etwas dafür kann. Das war mein Glück.

Sie sind jetzt gut mit dem Kom­men­ta­tor Oliver Polzer befre­un­det, waren Sie das damals schon?

Er war immer schon einer der Lieblingsin­ter­viewer, weil er gute Fra­gen gestellt hat … ein­fach ein guter Jour­nal­ist.

Das hört man sel­ten über Jour­nal­is­ten. Noch sel­tener beim Fußball, wo Polzer ja auch kom­men­tiert.

Beim Fußball kann ich nicht mitre­den, weil ich mich über­haupt nicht auskenne. Seit dieser Sai­son ver­folge ich es etwas mehr, weil wir mit Daniel Royer jetzt einen Schlad­minger in der Bun­desliga haben. Ich kenn mich aber nicht aus, also lass ich mich berieseln. Was wir im Skisport machen, hat meiner Mei­n­ung nach Welt­niveau. Bei der gesamten Auf­bere­itung, von der Fernse­htech­nik bis zur Analyse, sind wir vorn dabei.

Zu den Kam­er­afahrten kamen bald Autoren­nen. Seit 2006 fuhren Sie mehrere Meis­ter­schaften. Warum haben Sie damit ange­fan­gen?

Am Anfang wollte ich da schon mehr, hab aber schnell gemerkt, dass das finanziell nicht zu bewälti­gen ist. Und dann war es für mich die ide­ale Ausstiegs­droge aus dem Ski­fahren. Ich bin ein­fach zu früh aus dem Spitzen­sport aus­geschieden und ich war zwar raus aus dem Geschäft, hatte aber den Reiz, in einem anderen Sport Fuß zu fassen.

Den Reiz, eine Zeit lang nichts zu tun, sich glück­lich zu lang­weilen, ken­nen Sie nicht?

Das hatte ich mal drei Monate lang und dann bin ich völ­lig unrund gelaufen. Mir hat ein­fach was gefehlt. Kaum bin ich wieder ins Fit­nessstu­dio gegan­gen, ging es mir besser.

Sowohl der Rennsport als auch die Abfahrten sind bei dem Tempo nicht ganz unge­fährlich. Auf Ihrer Web­seite steht, dass die Gesund­heit Ihrer Fam­i­lie das Aller­wichtig­ste ist. Gilt das nicht für Sie selbst?

Schon. Ich mach nur Sachen, bei denen ich mich wohlfühle. Selbst vor einer schw­eren Auf­gabe wie der vereis­ten Streif. Dann hab ich zwar eine Stunde vorher ein ungutes Gefühl, aber sobald ich die Skier anhabe und raus­fahre, ist das alles wieder ver­traut. Die Gesund­heit von meiner Frau und meinen zwei Kindern steht über allem und dann kommt ein­mal meine.
Aufsteireren: Pracht der Tracht am Grazer Hauptplatz am 13.09.2013
Wie sieht Ihre Frau das, wenn Sie immer noch 40-Meter-Sprünge auf der Piste machen?

Die sieht das rel­a­tiv entspannt. Sie weiß genau, dass ich viel schlim­mere Sachen machen würde, wenn ich das nicht hätte. Sie hat mich so ken­nen­gel­ernt und im Gegen­satz zu früher ver­lasse ich mich nicht mehr nur aufs Glück. Den Fehler hab ich in der Ver­gan­gen­heit immer mal gemacht. Meine let­zte Ver­let­zung war allerd­ings ein Bän­der­riss und ein Knöchelaus­riss auf der Bühne von der Romy-Verleihung. Die Treppe hin­ter der Bühne war die größte Gefahr.

Ihre zahlre­ichen Fans sind auch kein Grund für Ihre Frau, Sie zum Aufhören zu überre­den?

Nein. Sie ist zwar manch­mal schon etwas gen­ervt, wenn ich ständig nach einem Foto oder Auto­gramm gefragt werde. Ich habe da echt Geduld, sie etwas weniger, aber sie ist nie eifer­süchtig oder so. Da ist genug Grund­ver­trauen da.

Ich kann Ihre Frau ver­ste­hen. Ist es nicht total anstren­gend, Everybody‘s Dar­ling zu sein?

Es passiert wirk­lich ganz sel­ten, dass ich mir wün­sche, dass mich nie­mand kennt. Und wir wählen dafür die Urlaub­s­des­ti­na­tio­nen so, dass mehr Hol­län­der, Englän­der und Deutsche da sind, die mich nicht ken­nen. Und dann haben wir es ruhig.

Wie lang hal­ten Sie das nor­maler­weise aus? Sie brauchen die Aufmerk­samkeit offen­sichtlich schon.

Mir gefällt das natür­lich, aber ich laufe dem nicht nach. Es ist eine wun­der­schöne Begleit­er­schei­n­ung, aber ich bin kein High-Society-Typ und geh nicht auf öffentliche Plätze, wo ich nicht unbe­d­ingt hin­muss.

Nur zum Auf­steir­ern?

So etwas ist tat­säch­lich härter gewor­den. Ich kön­nte am Son­ntag nicht in der Menge mit meinen Fre­un­den herum­ste­hen und das genießen, weil ich ständig mit irgendwem quatsche oder ein Foto mache. Wenn ich mit meinen Fre­un­den etwas unternehmen will, dann muss ich halt wis­sen wo. Zum Glück bin ich ja nur in Öster­re­ich bekannt …

Warum sind Sie eigentlich so beliebt?

Also ein paar wird es immer geben, die sagen, der Knauss ist ein Trot­tel. Das Wichtig­ste ist, dass du voll authen­tisch bist. Selbst wenn du ein Spin­ner bist …

Sie sind, das resul­tiert aus Ihrer Beliebtheit, einer der meist­ge­buchten Wer­be­träger in Öster­re­ich. Gibt es etwas, für das Sie keine Wer­bung machen wür­den?

Also ich musste schon einige Sachen auss­chla­gen, weil das in Konkur­renz zu den Din­gen stand, die ich bere­its mache. Partei­wer­bung mache ich nicht, auch wenn ich schon gefragt wurde.

Sagen Sie uns von wem?

Nein, sag ich nicht. Aber es waren zwei.

Brauchen Sie noch eine emo­tionale Nähe zu den Sachen, für die Sie Wer­bung machen?

Auf jeden Fall. Als Auto gibt es für mich nur Audi, ich bin ein Autonarr, bin Autoren­nen gefahren und das taugt mir. Ich steh mit allen Spon­soren pri­vat gut in Verbindung. Die Direk­tan­lage habe ich zwar nicht mehr auf meiner Klei­dung oben, aber das sind nach wie vor Fre­unde und ich habe dort auch investiert. Da muss ein­fach eine Ehrlichkeit dahin­ter sein.

Was würde passieren, wenn Sie irgendwo mal ein pri­vates Stiegl-Bier trinken und es davon ein Foto gibt?

Das hat es schon gegeben, aber mit­tler­weile passe ich da sehr auf. Mit den Handys wird sofort fotografiert und das legt dann schnell mal einer blöd aus. Und in den Verträ­gen steht schon auch drin, dass man möglichst nicht mit Konkur­ren­zpro­duk­ten fotografiert wer­den soll. Das geht bei Grup­pen­bildern nicht immer, aber ich bin da ein Voll­profi. Es ist Teil meiner Arbeit, dass ich darauf schaue. Aber ich entscheide zum Beispiel sel­ber, wann ich das Gewand mit den Logos anziehe.

Ein Punkt, den ich etwas kri­tisch fand, war der gemein­same Audi-Werbespot mit Ihrem Sohn, der ja noch sehr jung ist. War das selb­stver­ständlich oder haben Sie sich da viele Gedanken gemacht?

Ich habe schon ein paar Tage gehadert. Die Agen­tur hatte dann exakt so einen Jun­gen wie den Leo gecastet. Und sie haben nochmal nachge­fragt, wie es auss­chaut. Let­ztlich habe ich mich dafür entsch­ieden, weil er noch jung genug ist. Wäre er 14, würde ich es wahrschein­lich nicht machen. In der Schule gab es dann schon ein paar Sprüche, aber er ist total cool damit umge­gan­gen. Und in Schlad­ming kennt man sich ja. Seine Schwester hatte hier und da auch schon ein paar Auftritte, allerd­ings nicht mit mir gemein­sam. Und dafür durfte der Leo jetzt mal zusam­men mit dem Papa einen Spot drehen und es ist wahnsin­nig gut angekom­men.

Ihre Kinder wer­den also Fernsehstars und Mod­els, keine Ski­fahrer?

Naa, das ist ihm, glaube ich, egal. Für ihn zählt nur Arbeiten und Bauer sein. Den inter­essiert der Spitzen­sport nicht, seine Helden sind in einer anderen Welt. Jeder Trak­tor ist ihm lieber als irgen­dein Sport­wa­gen.

Haben Sie ver­sucht, Ihre Kinder zum Sport zu bewe­gen? Meist hof­fen Eltern ja, dass die Kinder ähn­liche Wege gehen.

Das nicht, aber wir achten darauf, dass sie raus in die Natur kom­men und sportlich aufwach­sen. Das ist nicht nur Ski­fahren, son­dern auch Wan­dern und Rad­fahren. Da machen sie mit, aber den Leo hat es nie inter­essiert, Ren­nen zu fahren. Meine Tochter will das von sich aus und geht jetzt sehr kon­se­quent in die Skimit­telschule.

Wir haben schon Schlad­ming ange­sprochen: Ihnen gehören dort inzwis­chen einige Immo­bilien.

Einige wenige, da gibt es viel größere Mag­naten im Ort. Aber ich bin extrem zufrieden. Ich habe früh ange­fan­gen, Geld zu sparen und in Immo­bilien zu investieren, und bis jetzt hat sich das als sehr gut her­aus­gestellt.

Kön­nten Sie sich dann nicht das ein oder andere Pick­erl am Hemd sparen?

Die Wer­bung läuft davon völ­lig getrennt. Die Immo­bilien sind mein zweites Stand­bein, wo ich auch vom Geschäft­sleben etwas lerne. Das Ganze hat halt doch etwas mehr Grund­sub­stanz. Ich hab mich immer schon mit den Preisen für Grund­stücke oder Woh­nun­gen beschäftigt und bisher hat sich das meiste als richtig her­aus­gestellt. Das ist ja eine völ­lig andere Materie als die Wer­bung, die ich nun doch schon etwas länger gewohnt bin.

Was ist Hans Knauss als Wer­be­träger eigentlich wert?

Das ist ganz schwer zu sagen. Ein aktiver Läufer, der Ren­nen gewinnt, ist sicher mehr wert.

Das waren zuletzt ja gar nicht mehr so viele.

Na so schlimm ist es auch nicht. Aber meine Gen­er­a­tion hatte damals einen Neunfach-Triumph und wir sind trotz starker Konkur­renz über den Weltcup drüberge­fahren. Wir haben den Sport geprägt und das hat natür­lich noch ein paar Nach­wirkun­gen.

Für Sportler heißt es: Nach der WM ist vor der WM – gilt das auch für den Aus­tra­gung­sort Schlad­ming?

Sportlich hat der unfass­bare Sieg von Mar­cel Hirscher im Slalom das Tüpferl aufs i gesetzt. Hätte er das nicht gewon­nen, wäre Schlad­ming rel­a­tiv schnell vergessen wor­den. So wird die WM gle­ich wie Harti Weirather 1982 immer in den Geschichts­büch­ern erwähnt.

Und wirtschaftlich? Wie sehen Sie als Schlad­minger die großen und zum Teil schon rück­ge­bauten Investi­tio­nen?

Ich selbst war finanziell ja über­haupt nicht involviert, daher kenn ich die ganz genauen Zahlen nicht. Wenn aber so viel investiert wird wie dort, dann ist es völ­lig nor­mal, dass man im Nach­hinein ein paar Mil­lio­nen über­denken muss. Wir haben jetzt im Som­mer gese­hen, was es gebracht hat: So viele Leute waren um die Zeit noch nie in Schlad­ming und das hat auch die Kri­tiker etwas ver­s­tum­men lassen. Es gibt auf der Welt ein­fach viele schöne Gegen­den und viele gute und große Skige­bi­ete. Da musst du dich irgend­wie posi­tion­ieren und das ist mit der Welt­meis­ter­schaft ganz gut gelun­gen.

Sollen in Schlad­ming auch kün­ftig Weltcupren­nen in den Speed-Disziplinen stat­tfinden?

Ich würde das nicht ver­fol­gen. Wir soll­ten uns auf das Nigh­trace konzen­tri­eren und zu einem fixen Bestandteil im Rennkalen­der machen.

Nach den ersten erfol­glosen WM-Rennen hat Her­mann Maier heuer sehr harsch Kri­tik geübt. Sie haben sich da zurück­ge­hal­ten …

Mich hat keiner gefragt!

Ist solche Kri­tik aus den eige­nen Rei­hen hil­fre­ich?

Ich hab dem Her­mann nicht oft im Leben völ­lig zuges­timmt, aber da schon. Er hat abso­lut recht gehabt! Und er ist ein Hero, der sich aus eigener Kraft Rich­tung Weltcup kat­a­pul­tiert hat, und nicht irgendwer vom Ver­band. Wenn einer auf den Tisch hauen darf, dann der Her­mann. Und das hat dann auch eine Trag­weite und ich hoffe, es gibt dem ÖSV zu denken. In der Zeit, als wir so stark waren, haben wir uns nicht alle nur lieb gehabt.

Bei Ihnen kann man sich das kaum vorstellen.

Ich bin ein Gerechtigkeits­fa­natiker und zum Schluss war ich immer mal der, dem der Kra­gen geplatzt ist. Ich hab sehr lang nichts gesagt, aber wenn es dann ein­mal sein musste, dann wurde auch zuge­hört und es hat etwas gebracht. Das ist damals aber nie an die Öffentlichkeit gekom­men. Sportler dür­fen da nicht zu viel Respekt gegenüber der Führungse­tage haben, weil ja auch die Ath­leten, die noch nicht den großen Erfolg haben, gute Ideen haben. Und auf die muss man hören, um besser zu wer­den.

Inter­essieren Sie sich für Poli­tik, die über Sport­poli­tik hin­aus­geht? Die Nation­al­ratswahl zum Beispiel?

Schon, mir waren nur die Diskus­sio­nen am Anfang zu tief vom Niveau. Das hat die Poli­tik eigentlich nicht nötig und ich erwarte da mehr Stil. Wer auf dieser Ebene Poli­tik macht, der sollte ja hochin­tel­li­gent sein. Teil­weise hat es mich aber dann nicht mehr inter­essiert, ihnen beim Stre­iten zuzuhören. Das Jahr über denk ich mir bei vie­len The­men oft: Schön, dass ihr darüber reden könnt, das ist ein Zeichen, dass es uns sehr gut geht.

Herr Knauss, vie­len Dank für das Gespräch.

Hans Knauss wurde 1971 in Schlad­ming geboren und gewann schon als Schüler Skiren­nen. Nach seiner Auf­nahme in den ÖSV-Kader fuhr er 1992 erst­mals ein Weltcupren­nen, seinen ersten Sieg holte er 1995 in Alta Badia. Neben mehreren Weltcup­siegen gewann er bei der WM 1999 die Bronzemedaille, 2003 die Sil­ber­medaille. Nach Dop­ingvor­wür­fen musste Knauss 2004 zurück­treten, im Ver­fahren gegen den amerikanis­chen Her­steller seiner verun­reinigten Nahrungsergänzungsmit­tel kon­nte er eine außerg­erichtliche Eini­gung erzie­len und sich rehabilitieren.