Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Paul Pizzera im Fazitgespräch

Es ist Faschings­di­en­stag, in den meis­ten Cafés beginnt das när­rische Treiben. Wir tre­f­fen den Kabaret­tis­ten Paul Pizzera, einen der lustig­sten Men­schen des Lan­des, zum Inter­view. Ohne Kostüm, ohne Luftschlangen und ohne Krapfen im Frazer Café Kaiser Joseph. Dafür steht ein Strauß Kun­st­stoff­blu­men auf dem Tisch. Ein Lokal, in dem die Zeit ein biss­chen still­steht, und ein Nach­wuch­stal­ent, das vor lauter Auftrit­ten kaum still­steht. Außer beim Aus­räu­men der Geschirrspülmaschine.

alle Fotos: J.J.Kucek


Herr Pizzera, heute ist der ver­meintlich lustig­ste Tag des Jahres. Sind Sie auch froh, wenn er vor­bei ist?
Ja, sehr. Faschings­di­en­stag ist wieder so ein wun­der­schöner Tag, an dem man aufs Bet­telver­bot zu sprechen kom­men kann. Da haben einige gesagt, die Bet­tler ver­schan­deln das Stadt­bild, aber wenn zu Faschings­di­en­stag alles vollge­spieben wird, ist das natür­lich okay.

Ich wusste gar nicht, dass Sie inzwis­chen so poli­tis­ches Kabarett machen.

Über­haupt nicht, aber das ist meine per­sön­liche Ein­stel­lung. Ich finde das so lächer­lich, dass ein sitzen­der Mann oder eine sitzende Frau mit einem Hut davor das Stadt­bild ver­schan­delt, aber ein ange­sof­fener 14-Jähriger, der sich ger­ade bemüht seine Fre­undin nicht vol­lzus­peiben, soll zuträglich sein? Deshalb bin ich sehr froh, wenn Faschings­di­en­stag vor­bei ist. Obwohl ich mich gern verkleide.

Sie spie­len mit eini­gen Kol­le­gen bei der Lan­gen Nacht des Kabaretts ein Stück mit dem Titel »Niemals bei den Vil­lach­ern«, in dem es darum geht, niemals beim Vil­lacher Fasching aufzutreten. Wie erk­lären Sie jeman­dem, der sich nun nicht so genau mit dieser Kul­tur­form beschäftigt, was der Unter­schied zwis­chen Vil­lacher Fasching und dem Humor beim Kabarett ist?

Ich habe großen Respekt vor jedem, der beim Fasching auftritt, das ist eine Kun­st­form, die abso­lut ihre Berech­ti­gung hat. Ich will nur selbst kein Kasperl sein, der anderen auf der Bühne total überze­ich­nete Sachen zeigt. Schmäh erzählen ist für mich handw­erk­lich nicht so anspruchsvoll. Ich will Sachen erzählen, wie sie sind, und auch The­men ansprechen, die bis­sig sind, die etwas wehtun.

In Vil­lach ein­mal mitzu­machen, um daran etwas zu ändern, ist keine Option?

Du kannst das nicht ändern. Du kannst nur dich selbst ändern, nicht andere. Das Sys­tem des Vil­lacher Faschings wird immer gle­ich bleiben und dort gibt es eine bre­ite Masse, die es witzig findet, wenn eine Kranken­schwester fragt: »Soll ich den Näch­sten rein­lassen?«

Lei Lei?

Genau.

Das klingt sehr abgek­lärt für einen 24-Jährigen.

Das nicht, aber ich hab gel­ernt zuzuschauen. Wenn man über etwas redet, muss man auch wis­sen, worüber man sich echauffiert. Diesen seichten Fäkalhu­mor muss man halt mögen. Wenn das intel­li­gent ver­packt ist, ist das etwas anderes. Mein größtes Vor­bild George Car­lin hat gesagt, man soll über Verge­wal­ti­gung und Kinderkrebs Witze machen. Das geht, aber man muss es richtig machen. Man sollte auf der Bühne per se alles dür­fen. Es gibt natür­lich immer Punkte, die das unmöglich machen. Wenn bei dir jemand im Pub­likum sitzt, dessen Kind verge­waltigt wurde, dann kannst du auf der Bühne zusam­men­basteln, was du willst, das findet so jemand niemals lustig. Logisch. Aber man darf nicht allen gefallen wollen, man kann es auch nicht.

Jetzt sind wir mit­ten in einer aktuellen Diskus­sion. Wie poli­tisch kor­rekt muss man sein, wenn man in der Öffentlichkeit steht, in Ihrem Fall auf der Bühne? Gibt es Leute, die sich nach der Vorstel­lung beschw­eren?

Schon der Begriff »poli­tisch kor­rekt« ist ein äußerst schräges Oxy­moron. »Poli­tisch« und »kor­rekt« – das kann sich irgend­wie nicht aus­ge­hen. Aber klar, es gibt schon mal Leute, die sich beschw­eren. Ich hab eine Num­mer über den Kam­er­ad­schafts­bund im Pro­gramm, das wird vor allem in den ländlichen Gefilden mit äußer­ster Skep­sis betra­chtet. Ich kenne es halt von meinen Großel­tern, dass im Gasthaus am Land mal Juden­witze erzählt wer­den oder ein Hit­ler­gruß durchs Lokal geht. Ich kenn das. Viele sehen solche Vere­ine aber als Gemein­schaft und unter den Leuten, die dort dabei sind, gibt es viele, die eine ganz unverdächtige Ein­stel­lung haben. Für die ist das wie der Garten­bau­verein oder die Imk­erin­nung. Trotz­dem gibt auch solche, die nicht ausster­ben, und das gehört ein­fach ange­sprochen. Und wenn man drüber lachen kann, dann kann es nicht schlecht sein.

Haben Sie beim Schreiben schon diese Hemm­schwelle, dass Sie sagen: »Den kann ich nicht brin­gen.«?

Oft.

Wie viel wird vom Zen­sor im eige­nen Kopf gestrichen?

Also wenn ich beim Schreiben sel­ber lachen muss, dann müssen meist auch Leute im Pub­likum lachen. Es gibt dann trotz­dem Punkte, wo ich sage, das kannst nicht machen, weil das viele ver­schrecken würde. Das ist vor allem beim zweiten Pro­gramm, an dem ich ger­ade schreibe, so und das ist viel schlim­mer als beim ersten Mal. Damals hab ich mir über­haupt nichts gedacht, da war mir das alles wurscht. Jetzt fängt aber das Denken an. Du kennst ein paar Kri­tiker, du kennst da ein paar Leute und da, aber man sollte das nicht zu sehr ein­fließen lassen. Die Leute mögen mich ja, weil ich es so gemacht hab, wie ich es gemacht hab, und nicht weil ich berech­nend bin. Aber die Erfahrung auf der Bühne verän­dert dich ein­fach. Deshalb geht man automa­tisch ein biss­chen in die Rich­tung, von der man merkt, dass sie funk­tion­iert. Ich ver­such das zu ver­hin­dern, aber so ganz geht es nicht.

Wenn Sie schon manche Dinge nicht mehr sagen kön­nen, wie geht es dann erst Leuten, die nicht diesen Schutz des Humors haben? Wenn Sie auf der Bühne sind, ist allen klar: Der meint es lustig.

Das finde ich nicht.

Gut, aber es steht immer unter dem schützen­den Nim­bus der Ironie. Sie kön­nen immer rel­a­tivieren, was ein Poli­tiker niemals kön­nte.

Das ist ein großes Priv­i­leg. Der Alf Poier, den ich sehr lustig finde, hat mal gesagt, er macht »Anarcho-Kabarett«. Das ist doch kom­plet­ter Unsinn. Was gibt es denn für ein total­itär­eres Regime als eine Bühne? Einer redet und unten sitzen die Leut’ und hal­ten die Goschen. Von Anar­chie kann da nicht die Rede sein.

Weil keiner die Bühne stürmt.

Genau, das ist total ver­pönt. Es ist eine ein­deutige Hier­ar­chie: Ihr hört zu und zeigt mir, dass ich gut bin. Und natür­lich bin ich froh, dass die Leute mich sehen wollen. Wenn ich nach Deutsch­lands­berg gehe und da kom­men 200 Leute, ist das super. Wenn ich dann in Wien auftrete und da kom­men auch noch 200 Leute, von denen ich aber keinen mehr kenne – super. Die kom­men, weil sie zuhören wollen. Das ehrt einen, aber so ganz leicht ist es nicht, damit umzuge­hen. Das ist schon ein bissl ein­schüchternd.

Warum?

Weil du Ein­fluss hast. Wenn da nach­her wer kommt und will, dass du ein Plakat unter­schreibst, ist das schon schräg.

Aber das ist doch noch ein ziem­lich angenehmer Ein­fluss. Sie haben schon Witze über den Kam­er­ad­schafts­bund ange­sprochen. Gibt es auch so etwas wie einen poli­tis­chen Ein­fluss? Auch wenn das jetzt nach einem großen Wort klingt.

Wenn das, was ich mache, Leute über­rascht, die nicht damit gerech­net haben, dass ich eine poli­tis­che Hal­tung hab, kann das schon was bewe­gen. Ein Furz in der Land­schaft natür­lich, aber wenn sich einer über­legt, dass vielle­icht nicht alles nur immer richtig ist, dann ist das schon super.

Neben dem Vil­lacher Fasching gibt es noch eine zweite große Bühne fürs Kabarett, das ist der ORF. Warum hat man Sie da noch nicht gese­hen? Weder bei der »Großen Chance« noch bei Ster­mann und Gris­se­mann?

Na zwis­chen den bei­den müssen wir schon unter­schei­den. Der ORF an sich hat ein Monopol, das ist irre. Dieser Sender macht dich berühmt oder nicht. Und das ist mir per se schon mal wahnsin­nig unsym­pa­thisch. Für die »Große Com­edy Chance« wurde dreimal bei der Agen­tur ange­fragt und wir haben immer abge­sagt. Wenn man sich nur die »Große Chance« anschaut: Die Gewin­nerin des let­zten Jahres, Chris­tiane Hödl, musste zuletzt ein Konz­ert in Bruck an der Mur absagen, weil es für eine Halle mit 500 Plätzen nur 13 Reservierun­gen gab. Bei solchen Shows wird aus dem Kün­stler das raus­ge­quetscht, was geht, und dann bist du vergessen. Aber einen Kün­stler muss man auf­bauen. Wenn du vor zehn Leuten funk­tion­ierst, dann kannst du auch vor 1.000 Leuten auftreten. Aber wenn du vor den 1.000 spielst und nur die Hälfte findet’s gut, dann lachen noch immer 500. Ver­such mal vor zwei Leuten zu spie­len. Das ist mordss­chwierig. Und bei dieser »Großen Com­edy Chance« waren ein­fach auch Sachen dabei, wo fremd­schä­men ein Hil­fs­wort ist. Und bevor man dort Perlen vor die Säue wirft … Wenn man mit­macht, hat der ORF alle Ver­w­er­tungsrechte an den dort gespiel­ten Stücken. Und für Ster­mann und Gris­se­mann bin ich ein­fach noch zu unbekannt. So ein­fach.

Kann eine solche Bühne nicht auch ein Sprung­brett sein?

Na klar hast du im Fernse­hen hun­dert­mal mehr Zuschauer. Und natür­lich würd mir das tau­gen, aber wenn, dann muss es stim­men. Wür­den Sie zur »Großen Jour­nal­is­mus Chance« gehen?

Klingt grausam.

Ja, irgend­was stellt sich da im Nacken auf. So ganz ger­ade kann das nicht ablaufen. Man ist ein bil­liger Beitrag zum Haupt­abend­pro­gramm und ist aus­geliefert. Und das ist es nicht wert. Ich wollte das von Anfang an ger­ade, richtig, langsam und bewusst machen.

Langsam ist ein ziem­licher Euphemis­mus. Sie spie­len inzwis­chen fast jeden zweiten Tag.

Das stimmt schon, ich kann im Moment auf rel­a­tiv hohem Niveau jam­mern, aber ich hoffe, es ist klar, was ich meine. Es waren let­ztes Jahr knapp 160 Auftritte und so viel wer­den es heuer wohl auch. Aber ich ver­suche mich nicht zu verkaufen und mich sel­ber nicht zu ver­heizen, son­dern das Ganze möglichst bewusst aufzubauen.

Sie spie­len im Nie­der­mair in Wien, im Posthof in Linz und im The­ater­café in Graz. Müssen Sie so oft spie­len oder wollen Sie das?

Prinzip­iell läuft es so, dass die Agen­tur mir einen Kalen­der mit den Ter­mi­nen schickt, die sie gebucht haben, und ich habe da aufzutreten. Prinzip­iell. Natür­lich kann ich hie und da sagen: Runter vom Gas, hier will ich frei haben. Der Juli ist so und so frei, weil Kabarett ein Win­ter­sport ist, aber der Win­ter geht halt im Sep­tem­ber los.

Ist es finanziell nötig, so oft aufzutreten?

Es würde mit der Hälfte auch gut gehen. Aber ich muss jetzt mal ein Pub­likum finden, die Leute müssen mich ken­nen­ler­nen, ich muss Erfahrun­gen sam­meln.

Wenn man 160 Auftritte im Jahr hat, hängt einem der eigene Schmäh nie zum Hals raus?

Das ist eine beliebte Frage, ver­ständlicher­weise. Natür­lich muss ich nicht mehr lachen, wenn ich mein Pro­gramm hun­dert­mal gespielt hab. Aber das Schöne an den Live-Auftritten ist ja, dass jeder Abend anders ist, und ich hab meinen Spaß halt mit dem Pub­likum. Du kannst jeden Abend ein­fahren oder die Hütte zer­legen. Und deshalb bleibt auch die Ner­vosität, dieses unmit­tel­bar aus­geliefert sein. Das wird auch zur Sucht. Es ist unfass­bar, wenn du einen Abend hat­test, nach dem du dir denkst: Heute war’s richtig gut. Das ist wie auf Droge. Ich kann vier Stun­den heim­fahren und das ist kein Prob­lem.

Und das Gegen­teil?

Ist genauso extrem. Wenn du eine Woche gespielt hast und am näch­sten Tag bei dir zu Hause den Geschirrspüler aus­räumst, applaudiert keiner. Und wenn du duschen gehst auch nicht. Und wenn dann drei, vier Tage keiner applaudiert, dann wird das schon ein bissl komisch und ich muss erst mal wieder run­terkom­men und merken: Ich bin nur der Paul. Nach den ersten zwanzig Auftrit­ten glaubst du ja, du bist der Größte.

Sie haben einen Bach­e­lor in Ger­man­is­tik, behaupten aber, dass ein Maschinenbau-Studium genauso viel für Ihr Sprachge­fühl gebracht hätte.

Genau, zwei Wochen vorm Studium hab ich noch nicht gewusst, was ich studieren soll. Und ich hab immer schon viel geschrieben, Schüt­tel­reime gemacht, mir haben Wort­spiele gefallen. Und ich dachte mir, es gibt für alles eine Begrün­dung, aber nicht für den vier­tausendun­der­sten Jus-Studenten.

Aber für den dre­itausend­sten Ger­man­is­ten?

So bru­tal hab ich mich sel­ber noch nie ins Abseits geschossen. Ich hab in acht Semes­tern, was eh lang ist für einen Bach­e­lor, nie einen Text schreiben müssen, der etwas mit mir zu tun hatte. Es war immer: Zitier­skrip­tum abschreiben, for­mulieren, fer­tig. Stil war egal, wis­senschaftliches Schreiben war alles. Das war es und fer­tig.

Vor drei Jahren gab es die ersten Erfolge, im April 2011 erhiel­ten Sie den Kabarettpreis Kleinkun­stvo­gel und wussten rel­a­tiv schnell, dass Sie das zum Beruf machen wollen.

Dort hat mich auch die Agen­tur gese­hen, und im Novem­ber hab ich die Pre­miere vom Solo­pro­gramm gehabt. Da gab es natür­lich noch ein paar andere, die mir erk­lären woll­ten, wie man das große Geschäft machen kann, aber ich hab da immer auf mein Bauchge­fühl gehört und bilde mir zumin­d­est ein, dass meine Men­schenken­nt­nis ganz gut funk­tion­iert. Und dass es dann so abgeht, hätte sich nie­mand gedacht. Das war Glück, der richtige Zeit­punkt, und jetzt heißt es dabeibleiben.

Roland Düringer wird 50, Josef Hader wird 51 und Alfred Dor­fer ist schon 52. Wenn Sie sich die drei Koryphäen des öster­re­ichis­chen Kabaretts anschauen, kön­nen Sie sich vorstellen, es so lang zu machen?

Ich würde es mir wün­schen. Die Her­ren sind jetzt nicht mehr so blutjung und momen­tan findet ein Gen­er­a­tio­nen­wech­sel statt. Bei Düringer hat man das am deut­lich­sten gese­hen. Der hat alles hingeschmis­sen. Zwis­chen »Ben­z­in­brüdern«, »Hin­ter­holz 8« und heute, wo er als Wut­bürger auf Morala­pos­tel macht und so tut, als kön­nte er die Welt verän­dern, ist ein riesiger Unter­schied.

Aber es ist doch zuläs­sig, sich immer mal zu verän­dern.

Er ver­haut sich da unheim­lich viel, glaube ich. Der klas­sis­che Düringer-Zuschauer – bitte nicht falsch ver­ste­hen – kommt aus Florids­dorf, ist braunge­brannt, geht mit einem Ed-Hardy-Kapperl hin und sagt: »Geh ma Düringer schauen.« Und das passt ja auch. Aber dann bei Bar­bara Stöckl auf Ö3 zu sagen, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen will … Dann soll er’s halt tun. Jetzt hat er ein Buch geschrieben, wie er aus dem Sys­tem aussteigen will, das kann man bei Ama­zon bestellen. Also ein Sys­temkri­tiker vor dem Herrn. Ich finde es abso­lut nachvol­lziehbar, dass einer aussteigen will, aber so ver­stehe ich das nicht.

Die drei »Staatskün­stler« Scheuba, Pal­frader, Mau­rer und die drei anderen Her­ren arbeiten sich alle an der Poli­tik ab. Ihr eigenes Pro­gramm bleibt meist im famil­iären Kreis.

Dieses tage­spoli­tis­che Kabarett reizt mich nicht und ich glaube auch, das kann ich nicht so gut. Wenn ich da ver­suche etwas zu basteln, wird das nichts. Das hängt vielle­icht mit dem Alter zusam­men. Am Anfang schreibt man immer: »Mein Leben, meine Welt«. Das kann ich abschätzen, da kenn ich mich aus.

Ist das schon die viel zitierte Poli­tikver­drossen­heit der Jugend? Sie gehören zu der Gen­er­a­tion, der das immer unter­stellt wird.

Man kann nicht unpoli­tisch sein. Irgen­deine Hal­tung wird man wohl haben. Bei der Wehrpflicht­diskus­sion war ich zum Beispiel schwer fürs Beruf­sheer, aber ich will das nicht in meine Kunst ein­fließen lassen. – »Kunst« ist so ein starkes Wort für das, was ich halt auf der Bühne mache.

Das darf man schon als Kunst beze­ich­nen.
Ich hab nur so viele Leute ken­nen­gel­ernt, die gesagt haben »Ich bin Kün­stler« und »Guten Tag, ich komme vom The­ater«. Diese Abge­hoben­heit will ich nie haben. Aber man sollte schon irgen­deine Aus­sage haben. Dazu ist man verpflichtet, wenn man auf so einer Bühne steht.

Lässt sich Ihre Mes­sage auf einen Satz verkürzen?

Vor allem beim jet­zi­gen Pro­gramm ist es die Nachricht, dass man viel, viel mehr Spaß am Leben hat, wenn man sich sel­ber nicht so ernst nimmt. Das Ego ist halt ein Arschloch.

Sagt ein junger Mann mit großen Ego.

Naa, gar nicht. Auf der Bühne geht es, aber jeder, der dort steht, hat einen Schaden. Jeder. Das ist ganz anders, wenn du vor einem Mädel stehst. Und ich find es so schade, wenn sich Leute zu wichtig nehmen. Wir sind nicht wichtig, wir sind alle irgendwer. Auch der Hader ist irgendwer. Und er weiß es und das macht ihn so groß. Und deshalb kann man diesen Men­schen auch so bewun­dern.

Wie wichtig ist Dialekt auf der Bühne? Es gibt außer Gün­ther Paal kaum einen Kabaret­tis­ten, der sein Pro­gramm auf Hochdeutsch macht. Sie sprechen auf der Bühne zum Teil ein West­steirisch, das Steirer nicht ver­ste­hen.

Das ist auch das Ziel dabei. Wenn solche Teile kom­men, will ich doch, dass Steirer, die meinen, sie kön­nen steirisch, sich nicht mehr ausken­nen.

Warum?

Weil ich irrsin­nige Freud daran hab, schi­ach zu reden. »Hässlich« ist ein schönes Wort, aber »schi­ach« ist tre­f­fender. Das Lustige ist ja, dass du aus dem Zusam­men­hang trotz­dem kapierst, was gemeint ist. Ich finde es ein­fach lustig. Das ist natür­lich dünnes Eis, weil schlecht nachgemachter Dialekt sehr, sehr pein­lich ist. Bun­des­deutsche, die Öster­re­icher nach­machen. Ganz, ganz schlimm.

Das Hässliche und Schi­ache ist die Grund­lage allen Kabarett-Stoffs?

Es muss zumin­d­est irgend­was Tragis­ches sein, damit man drüber lachen kann. Über die Sachen, die nur schön sind, kann man nicht lachen.

Deshalb ist es wahrschein­lich auch über­haupt nicht lustig, dass Sie inzwis­chen an der »Wall of Fame« des Grazer The­ater­cafés hän­gen. Was soll denn jetzt noch kom­men?

Na ich mach jetzt mal als zweites Pro­gramm ein »Best of«. Aber im Ernst: Dran­bleiben, weit­er­ma­chen.

Die Kochkün­ste Ihrer Groß­mut­ter kom­men im Pro­gramm nicht son­der­lich gut weg. Kommt Ihre Fam­i­lie mit Ihrem Humor klar?

Abso­lut, sie wis­sen, dass ich da als Kun­st­figur stehe. Natür­lich ist viel wahr von dem, was ich erzähle, aber das wis­sen eh nur sie. Meine Mut­ter kennt mich sehr gut und wird mir das nie bös nehmen. Und wenn ich dann in der Zeitung bin und die Leute meine Oma anre­den, dann ist sie froh. Das Wichtig­ste am Kabarett ist ja, dass nach­her Leute sagen: »Genau so ist es.« Wenn du einen Schmäh machst über Dinge, die total sur­real sind, kann das auch lustig sein, aber die Dinge, die wirk­lich passieren, sind meiner Mei­n­ung nach mehr wert.

Gab es irgend­wann eine Phase, wo die Fam­i­lie gesagt hat: »Bua, lern was Vernün­ftiges.«?

Nie. Meine Mut­ter war immer der Mei­n­ung: Wenn du als Straßenkehrer glück­lich bist, ist das auch in Ord­nung. Meine Eltern sind beide Ärzte, das wollte ich nie machen. Ich möchte die Leute unter­hal­ten und ich will, dass sie am Ende raus­ge­hen und es ihnen besser geht als vorher. Deshalb rel­a­tiviere ich am Ende vom Pro­gramm auch noch ein­mal alles mit dem Lied vom Groß­vater. Ich schimpfe die ganze Zeit und am Ende ver­such ich das umzu­drehen, weil keiner per­fekt ist und keiner alles richtig macht.

Herr Pizzera, vie­len Dank für das Gespräch.