Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Winklers Wortschatz

An Josef Win­kler schei­den sich die Geis­ter, mitunter wohl auch des Lit­er­aten eigener Geist. Der Kärnt­ner Autor wird am 3. März seinen 60. Geburt­stag feiern und kann sich einen Blick zurück auf sich selbst erlauben. Seiner Pub­lika­tio­nen wur­den unter anderem mit dem Georg-Büchner-Preis, dem Großen Öster­re­ichis­chen Staat­spreis und dem Son­der­preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbes aus­geze­ich­net. Pünk­tlich zum Geburt­stag erscheint bei Suhrkamp nun ein Früh­w­erk von Win­kler, das unter dem Titel »Das lächel­nde Gesicht der Toten­maske der Else Lasker-Schüler« bere­its 1979 in der Grazer Lit­er­aturzeitschrift »manuskripte« erschien. Eine über­ar­beit­ete Ver­sion dieses Textes wurde nun erst­mals als Buch ver­legt. Der »Wortschatz der Nacht« ist ein lit­er­arischer Erguss, der nach Angaben des Ver­lages ein Pro­dukt weniger Nächte ist. Und es sind blutige Nächte, die einem niedergeschriebe­nen Alb­traum gle­ichen. Wütend wirre Gedanken eines ver­späteten Expres­sion­is­ten, der sich an der eige­nen Reli­giosität und Sex­u­al­ität abar­beitet. Jeder Gedanke scheint dem näch­sten im Weg zu ste­hen und doch fügen sich ger­ade dadurch beein­druck­end ver­störende Bilder: »Die Mut­ter schlachtet ein Huhn, das Blut ergießt sich nach der Erek­tion des steifen Messers, der Kopf fällt, und der Kamm des Hahns kämmt die Haare meiner Kind­heit.« Dass Win­kler dabei nicht nur aus einer Ich-Perspektive schreibt, son­dern wohl tat­säch­lich sich meint, recht­fer­tigt es, ger­ade diesen Text zum »Geburt­stag­s­text« zu machen. Den Leser aber hält der wort­ge­waltige Autor mit Hang zu destruk­tiven und sex­uellen Meta­phern auf Dis­tanz. Vielle­icht ist das gut so. Für uns.

Josef Win­kler, Wortschatz der Nacht Suhrkamp, 109 Seiten, ab 18. Feb­ruar 2013 unter anderem in der Buch­hand­lung Moser in Graz erhältlich

Lesung am 06.03.2013, 20:00 Uhr Lit­er­aturhaus Graz

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