Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Wenn schon links, dann richtig.

Sie kön­nten doch mal was anderes wählen. Ja, Sie. Denn der aktuelle Bürg­er­meis­ter Siegfried Nagl ist im Moment auch ohne Ihre treue Unter­stützung der einzig denkbare Bürg­er­meis­ter für Graz. Das bestäti­gen nicht nur die let­zten Son­ntags­fra­gen, son­dern auch der Blick auf die alter­na­tiven Kan­di­daten. So falsch kön­nen die Umfra­gen nicht sein, dass es einen anderen Wahlsieger als die ÖVP gibt, so gut kön­nen die Tal­ente der anderen Kan­di­daten nicht ver­steckt sein, als dass Sie oder ich ern­sthaft einen anderen Bürg­er­meis­ter als Nagl erwarten kön­nten. Muss ich also unbe­d­ingt ÖVP wählen?

Wer keine Lust hat die 50-Prozent-Hybris der VP-Strategen zu unter­stützen, kön­nte ja mit der Gewis­sheit des Naglschen Wahlsieges einer anderen Partei die Stimme geben. Die zu Ende gehende Leg­is­laturpe­ri­ode hat schließlich auch gezeigt, dass es weder dem Bürg­er­meis­ter noch der Stadt schadet, wenn er mit einem Koali­tion­spart­ner zusam­me­nar­beitet. Allein die inhaltliche Schnittmenge zwis­chen Grün und Schwarz war in Graz erschöpft. Das spricht zwar für die Arbeit der vier Jahre währen­den Koali­tion, aber nicht sofort für einen neuen Versuch.

Wie wäre es denn dies­mal mit der KPÖ? Die Kom­mu­nis­ten sind und bleiben in Graz ein Kurio­sum und eine wohltuende Aus­nahme in der alltäglichen Aufre­gung des Polit­be­triebes. Mit Elke Kahr steht eine Frau an der Spitze, die zur Selb­st­darstel­lung und zum poli­tis­chen Kleinkrieg weder wil­lens noch in der Lage ist. Und mit dem sozialen Woh­nungs­bau beset­zen sie ein Thema, dass die ÖVP auf diese Art und Weise niemals abdecken kön­nte. Eine linke Klien­tel­partei, bei der zwar ein paar Geschichts­bücher zu viel übrig geblieben sind, die aber auf der lokalen Ebene sehr viel unaufgeregte Sachar­beit betreibt. Es ist kurios, aber die KPÖ ist in Graz auch für Lib­erale und Kon­ser­v­a­tive wählbar.

Nie­mand muss Angst vor der Rück­kehr zum Kom­mu­nis­mus haben, keiner muss einen Euroaus­tritt befürchten, den die KPÖ auf ihrer Agenda hat. Solche Entschei­dun­gen fallen nicht wirk­lich in die umfan­gre­iche Kom­pe­tenz des Grazer Gemein­der­ates. Zum Glück. Außer­dem war es aus­gerech­net die KPÖ, die dort unlängst gegen die »Ver­staatlichung« argu­men­tierte. Aus­gerech­net die KPÖ! Anlässlich des damals noch geplanten Ankaufs der Rein­ing­haus­gründe durch die Über­nahme der ver­schulde­ten Asset One hielt einer der KPÖ-Gemeinderäte einen Vor­trag gegen poli­tis­che Ein­mis­chung, wie ihn kein Lib­eraler an diesem Tag zus­tande brachte.

Natür­lich, die Auswahl an alter­na­tiven Parteien ist auch sonst groß. Um Platz zwei und damit eine mögliche Koali­tion mit der ÖVP rit­tern aber nur FPÖ, SPÖ, Grüne und eben die KPÖ. Mit den Grü­nen wird sich eine neue Koali­tion kaum erzwin­gen lassen, die SPÖ ist ein Jahr nach ihrem Selb­stfind­ungstrip noch immer nicht als sta­biler Part­ner zu erwarten und würde spätestens vor der 2018er-Wahl anfan­gen, die Koali­tion zu spren­gen – aktiv oder pas­siv. Und mit der FPÖ wäre nur ein Mitte-Rechts-Bündnis möglich. Das will – laut let­zten Inter­views – weder Siegfried Nagl noch meine konko­r­danzver­liebte Wenigkeit. Ich hätte schon gern etwas von bei­den Ufern der »gesellschaftlichen Mitte«. Und weil man in Graz zwar die KPÖ, aber sicher nicht den Kom­mu­nis­mus wählen kann, ist das doch eine gute Gele­gen­heit etwas Neues zu pro­bieren – Nagl wird auch ohne meine Unter­stützung Bürg­er­meis­ter. Und wenn schon links, dann doch gle­ich richtig.

Ein Kommentar

    […] Michael Thurm wird KPÖ wählen. Wenn man Michael kennt, mag einen das über­raschen, aber eigentlich auch nicht. Kon­se­quent findet er, dass wenn er schon links wählt, dann aber auch richtig. Die KPÖ sei “eine linke Klien­tel­partei, bei der zwar ein paar Geschichts­bücher zu viel übrig geblieben sind, die aber auf der lokalen Ebene sehr viel unaufgeregte Sachar­beit betreibt. Es ist kurios, aber die KPÖ ist in Graz auch für Lib­erale und Kon­ser­v­a­tive wählbar.“. Und auußer­dem – Siegfried Nagl wird auch ohne seine Unter­stützung Bürgermeister. […]