Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Hannes Kartnig im Fazitgespräch

Dass man mit Hannes Kart­nig kein nor­males Inter­view führen kann, ver­steht sich von selbst. Der polternde Charmeur ist erstaunlich gut gelaunt, wenn man bedenkt, dass ihm aktuell eine
fün­fjährige Haft­strafe wegen Steuer­hin­terziehung, schw­eren Betrugs und grob fahrläs­siger Beein­träch­ti­gung von Gläu­biger­in­ter­essen droht.

Sie nan­nten ihn den Zaren

Noch erstaunlicher ist seine gute Laune, weil in der Nähe seines Büros am Eggen­berger Gür­tel so laut und heftig gebaut wird, dass bei ihm die Fußball-Devotionalien vom Regal fliegen. Die Beweise seiner Erfolge als Präsi­dent von Sturm Graz zieren Wände und Regale. Der Wohl­stand, den er mit seiner Wer­be­firma »Kart­nigs Per­spek­tiven« erwirtschaftet hat, man­i­festiert sich im protzi­gen Mobil­iar. Ein Glastisch, der sich um sich selbst dreht, eine aus­ladende Schreibtis­chlampe, ein riesiger weißer Stoßzahn. Zahlre­iche Bilder, die ihn mit »Fre­un­den« aus seiner Zeit als Adabei zeigen, fallen von den Erschüt­terun­gen zu Boden und brin­gen Hannes Kart­nig in Fahrt: »Des is ja unglaublich. Da wack­elt die ganze Hütt\‘n, dass man Angst hat, die Decke fliegt einem auf den Kopf.« Einen besseren Ein­stieg in das Inter­view kann es kaum geben, aber ein Gespräch mit Hannes Kart­nig beginnt nicht der Jour­nal­ist, son­dern der Hausherr:

So Meis­ter, wos wolln\‘s von mir wis­sen?

Herr Kart­nig, Sie haben vor dem Urteil der ersten Instanz gesagt, dass die eine Hälfte der Leute Sie mag und die andere eben nicht. Hat sich daran seit der Ver­hand­lung etwas geän­dert?

Vielle­icht mögen mich jetzt sogar mehr. Es ken­nen mich jeden­falls noch mehr Leut\’ als zur erfol­gre­ichen Zeit in der Cham­pi­onsleague. Das hätt ich nicht gedacht. Die Men­schen haben von dieser Ver­hand­lung gele­sen und sie reden darüber. Und egal ob ich in Vorarl­berg bin, in Oberöster­re­ich oder in Wien, die Leute kom­men raus, die Anhänger von Rapid und der Aus­tria, die Wilden und die Zahn­losen, die kom­men zu mir, wenn sie mich sehen, und sagen: »Des is a Wahnsinn, lass dir das net gefallen!«
Hannes Kartnig
Das ist ja fast zum Fürchten.

Na, ich brauch ja das alles nicht mehr.

Sie haben jetzt mehr Fre­unde als vorher?

Sym­pa­thisan­ten, nen­nen wir es so. Bei dem Wort »Fre­und« bin ich sehr vor­sichtig.

Waren Sie das schon immer oder sind Sie es erst seit den let­zten fünf Jahren?
Immer schon. Ich bin sogar in meinem Vor­stand mit eini­gen Leuten per Sie gewe­sen. Auch mit den Train­ern …

Haben Sie über­haupt nicht das Bedürf­nis, gemocht zu wer­den?

Wer will das nicht? Aber oft sind die, von denen du glaubst, dass sie dich mögen, dann falsch. Die Ehrlichkeit ist heute sehr wankelmütig.

Ist das ober­fläch­lich oder falsch?

Bei­des. Der Neid ist in diesem Land so gigan­tisch gewor­den. Jeder Kleine will das, was ein Großer hat. Aber er denkt nicht nach, wie das der Große erre­icht hat. Es sind ja nicht alle Großen Gauner, die haben auch riskiert. Aber die Leute wollen nichts riskieren und trotz­dem viel Geld. Vom Staat leben wollen sie und möglichst wenig arbeiten. Und wenn einer a bissl mehr hat, dann wird er gle­ich verdächtigt, dass es nicht mit rechten Din­gen zuge­hen könne. Aber man muss ja mal daran denken, dass diejeni­gen, die heute etwas haben, die Arbeit­ge­ber sind. Der Staat kön­nte sich gar nicht leis­ten, die Min­dest­sicherung zu zahlen, wenn es die Fir­men und deren Steuern nicht geben würde. Aber der Neid ist so groß. Sogar unter den Bet­tlern ist man sich nei­dig, wenn einer a ganzes Wurst­sem­merl bekommt und der andere nur a halbes.

Ist Reich­tum generell eine Schande?

Neid gibt es über­all auf der Welt. Das ist eine men­schliche Schwäche. Aber was soll ich nei­dig sein auf fleißige Leute?

Befördern Sie den Neid nicht auch damit, dass Sie Ihren Reich­tum so öffentlich zur Schau stellen?

Ich bin ja nicht reich. Ich bin nicht schlecht situ­iert, aber reich ist bei mir schon was anderes …

Eini­gen wir uns auf wohlhabend?

Weil ich halt gear­beitet hab. Tag und Nacht. Ich bin sel­ber plakatieren gegan­gen, hab Tafeln aufgestellt. Arbeit ist ja keine Schande. Das ist doch das Prob­lem: Viele sehen nicht, was ich mache. Ich hab immer gear­beitet. Jetzt, in meinem Alter, kann man sich ein biss­chen zurück­lehnen und die Arbeit über­legter machen, ein biss­chen delegieren.

Aber Sie haben das Ergeb­nis der Arbeit immer mehr zur Schau gestellt als die Mühe dafür.

Ja, ich hätte halt nach Amerika gehen sollen, weil ich das, was ich geschaf­fen habe, hergezeigt hab. Aber das darf man in Öster­re­ich nicht, das erregt Neid.

Haben Sie je ern­sthaft darüber nachgedacht, Öster­re­ich zu ver­lassen? Auch vor dem Hin­ter­grund der Unter­suchun­gen gegen Sie.

Nie. Warum soll ich gehen? Ich steh zu dem, was ich gemacht habe.

Aber die fast sieben Mil­lio­nen Strafe …

… die kannst eh nicht zahlen. Ich hoffe, dass das reduziert wird.

Was ist schlim­mer, Gefäng­nis oder Geld­strafe?

Haft ist immer ärger.

Das Ver­fahren gegen Sie ist in erster Instanz entsch­ieden, aber auf­grund der laufenden Beru­fung wer­den wir darüber wohl nicht allzu viel reden kön­nen.

Was soll ich auch dazu sagen? Wir warten jetzt mal auf das schriftliche Urteil. Ich kann ja nicht auf den Staat­san­walt schimpfen. Die Leut\’ wis­sen eh … Einen ver­suchten Förderungsmiss­brauch hat es nie gegeben. Es ist nie Geld geflossen, es ist nie ver­sucht wor­den und es ist kein Schaden für das Land ent­standen. Das hat ja auch das Land vor Gericht bestätigt. Aber das ist halt die Ein­bil­dung des Herrn Staat­san­walt und wenn der Richter dem folgt, kannst nix machen.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Fre­und­schaft: Sie wer­den damals jede Menge »guter Fre­unde« gehabt haben, die Schul­terk­lopfer …

Die hab ich immer. Auch heute noch. Das ist der Men­sch. Wenn du mit einem berühmten Men­schen auf der Straße gehst, sagen die auf der anderen Straßen­seite: »Schau, so schlecht kann der gar nicht sein.«

Und das hat Ihnen und Ihrer Firma auch geschäftlich genutzt.

Ja, aber was hab ich davon, wenn ich heute den Sean Con­nery tre­ffe? Von dem bekomme ich ja nichts. Aber die Men­schen sind in der Hin­sicht krank. Wir bewun­dern solche Typen, egal ob da etwas dahin­ter­steckt oder nicht. Leute, die in den Medien sind, wer­den bewun­dert. Das hab ich sel­ber erlebt: »Men­sch, bist mächtig«, hieß es, als wir in der Cham­pi­onsleague gespielt haben. Aber wo war ich denn mächtig?

Ist Ihre Firma nicht auch mit Ihrer Bekan­ntheit durch Sturm Graz gewach­sen?

Naja sicher. Das hab ich ja gekonnt und das ist auch für Sturm gut gewe­sen. Die kon­nten doch froh sein, dass ich eine Wer­beagen­tur hatte und gewusst hab, wo die Bud­gets sind. Und wenn eine Firma klas­sis­che Wer­bung gemacht hat, hab ich die gle­ich angere­det, ob sie nicht auch ein Spon­sor­ing für den Verein machen wollen. Denen kon­nte ja nichts Besseres passieren, als einen Patien­ten wie mich zu finden. Natür­lich war ich durch den Erfolg von Sturm im Mit­telpunkt. Und dann hab ich Sturm Graz verkauft und auch meine Plakatwände. Ich wäre ja ein Dum­merl, wenn ich das nicht gemacht hätte. Das ist doch alles legitim. Und die Leute, die heute am Werk sind, kön­nen das alle nicht. Die kriegen nicht mal einen Ter­min, wenn sie bei irgen­deinem Bun­deskan­zler anrufen. Da muss man auch die gewisse Art haben, man muss a bissl a lustiger Men­sch sein und Schmäh führen kon­nte ich immer. Ich brauch halt ein­mal am Tag a Stund für eine Lacherei.

Deshalb gab es auch eine lange Zeit kein Event, zu dem Sie nicht ein­ge­laden wur­den.

Das stimmt schon. Ich red ja mit allen Leuten, ich bin nicht einge­bildet. Mit den ärm­sten und mit den reich­sten, ich bin ein kom­mu­nika­tiver Men­sch. Und über mich wird sel­ten einer schimpfen. Auch wenn sie dann manch­mal schreien: »Der Pro­let!« Ich weiß schon, wann ich das mache. Aber ich kann schon auch hochfein sein …

Wozu denn?

Jaja, auch bei den Salzburger Fest­spie­len redet die feine Gesellschaft mit prim­i­tiven Aus­drücken. Wenn ich mir heute die Seit­en­blicke anschau … Ich weiß, ich war sel­ber dabei und hab den Gauk­ler gespielt.
Hannes Kartnig
Sie haben es genutzt.

Ja sicher. Und wenn du drin­nen bist, merkst du nicht, was du machst. Jetzt, wo du nicht mehr so gefragt bist und wo du auch nicht mehr so dabei sein willst, siehst du dann die anderen und wie die sich geben. Da kommt mir … Aber ich war auch so ein Ver­rück­ter. Ich war ja a dabei. Heute lach ich darüber\’.

Ihr öffentliches Leben hat Ihnen aber schlussendlich auch das laufende Ver­fahren einge­brockt. 2006 wurde behauptet, dass Sie Gelder von Sturm Graz im Kasino ver­spielt hät­ten. Diese Behaup­tung war der Aus­löser für die Unter­suchun­gen der let­zten fünf Jahre.

Ein böswilliger Beamter vom Finan­zamt Graz hat das Gerücht in die Welt gesetzt. Daraufhin hat mir das Finanzmin­is­terium nicht mehr geholfen, weil es dann keine Steuer­hin­terziehung, son­dern ein Fall fürs Krim­i­nal war. Deshalb musste ich auch in Unter­suchung­shaft und diese U-Haft wurde dann vom ober­sten Gericht­shof (OGH) in Wien aufge­hoben.

Sie sind aber nur auf Kau­tion ent­lassen wor­den …

Die hab ich einen Tag später schon wieder zurück­bekom­men. Das war ja eine Schweinerei, was dieser Beamte behauptet hat. Und mit solchen Gerüchten gehen Staat­san­wälte auf Men­schen los. Da bist du macht­los. Da kannst du machen, was du willst. Wenn das Urteil so hält, wie es ist, sind alle Angeklagten Sozialfälle. Mich eingeschlossen.

Wie wichtig ist Ihnen der Wohl­stand?

Was soll ich machen? Ich weiß es nicht. Ich lebe in der Hoff­nung und ich glaube, dass es eine Gerechtigkeit gibt. Denn es hat weder einen Förderungsmiss­brauch noch den Ver­such gegeben, diese Behaup­tun­gen sind ein­fach absurd. Der Staat­san­walt inter­pretiert da etwas hinein. Das ist ja der gle­iche Staat­san­walt, der zwei Jahre unbe­d­ingt beim Lan­desrat Kurz­mann ver­langt hat …

Der FPÖ-Landesrat ist vom Vor­wurf der Ver­het­zung freige­sprochen.

Ja, weil er einen gescheiten Richter hatte. Aber dass ein Staat­san­walt auf die Idee kommt, jeman­den wie den Herrn Kurz­mann zwei Jahre einzus­per­ren, sagt ja schon einiges. Der hat wahrschein­lich gar nicht gewusst, was da mit diesem Minarettspiel los war. Man muss mal hin­ter­fra­gen, ob ein Staat­san­walt so etwas über­haupt darf. So auf Men­schen los­ge­hen …

Haben Sie Ihr Ver­trauen in die Jus­tiz ver­loren?

Durch diese Ver­hand­lung schon. Der Richter ist ein sym­pa­this­cher Men­sch. Ich weiß nur nicht, was ihn gerit­ten hat, dass er mich jetzt so an die Wand fahren lässt und dem Staat­san­walt vol­lkom­men Glauben schenkte. Im OGH, dem Höch­st­gericht, sitzen sechs Juris­ten, die CreÌ€me de la CreÌ€me der öster­re­ichis­chen Jus­tiz, und da gibt es keine Ressen­ti­ments gegenüber jeman­dem, der auf die Opernred­oute geht oder nicht geht.

Gibt es für Sie so etwas wie eine gerechte Strafe?

Also dass ich für die Steuer­hin­terziehung bestraft werde, ist klar. Aber was hat man denn davon, dass man mich einsperrt? Nix! Die wollen ja alle Geld haben. Wenn ich jetzt einges­perrt werde, kann ich nicht arbeiten, kriegt der Staat kein Geld. Es hat sich nie­mand selbst bere­ichert. Von der betrügerischen Krida und der Untreue bin ich ein­wand­frei freige­sprochen wor­den.

Nach dem Urteil der ersten Instanz haben Sie gesagt: »Die haben mich umge­bracht.«

Ja sicher. Wenn das Urteil so kommt, kann ich zus­per­ren. Die Strafe muss ich zahlen, die Gericht­skosten muss ich zahlen und dann kommt noch die Finanz. Ich muss also weit­er­ar­beiten und Geld ver­di­enen, auch wenn ich näch­stes Jahr eigentlich in Pen­sion gehen kön­nte.

Sie haben gesagt, dass Sie viel Zus­pruch haben. Wie viele haben Ihnen im Zuge des Ver­fahrens den Rücken gekehrt?

Kaum wer. Als ich von Sturm wegge­gan­gen bin, war das stärker der Fall. Ich wurde ja vor allem als Sturm-Präsident ein­ge­laden. Aber mir ist das jetzt nicht mehr wichtig, jetzt muss ich nichts mehr verkaufen.

Sind Sie noch Sturm-Fan?

Schon, aber ich gehe nicht mehr ins Sta­dion, weil ich diese Fankul­tur nicht ertrage. Da sind lei­der Fans dabei, die jetzt Mit­spracherecht im Verein haben. Und was die bei­den Präsi­den­ten Rin­ner und Jauk gemacht haben, darf ein Verein nicht machen. Denn eines Tages wird ein Klub daran ster­ben, dass Fans, die viel zer­stören, mitzure­den haben. So wie sie es mit dem Logo pro­biert haben.

Sturm-Fans woll­ten das Logo des Haupt­spon­sors Puntigamer aus dem Vere­insl­ogo ent­fer­nen …

… und wenn ich so etwas toleriere, dann ist es besser, ich werd gar nicht Präsi­dent. Aber der Jauk hat es halt gemacht, um gewählt zu wer­den. Die haben ja die ganzen Radikalin­skis zu Mit­gliedern gemacht. Unvorstell­bar. Ich muss wis­sen, wen ich aufnehme. Die brin­gen doch über­haupt kein Geld, schreien rum und verkaufen sich sel­ber ihre Dressen, ohne dass der Verein etwas davon hat.

Das klingt nach wenig Sym­pa­thie für den neuen Vor­stand und seinen achtköp­fi­gen Auf­sicht­srat.

Die sollen ein­mal zeigen, was sie zusam­men­brin­gen, dann kann man über sie reden. Was soll ich sonst sagen? Der eine hat a Geld, wie der Ernst Wustinger, ein klasser Bursch. Der Kois ist ein Aus­lauf­mod­ell, ein Pen­sion­ist. Der Jauk ist ein Lohnzettelempfänger und ein Schmal­spur­bankdi­rek­tor. Du brauchst als Präsi­dent einen Unternehmer, der sel­ber sein Geld rein­steckt.

Hans Rin­ner war zumin­d­est Unternehmer.

Ja, aber der hat keine Ahnung von Fußball. Deshalb hat der Foda ja so regiert. Beim Heinz Schilcher und bei mir hätte er sich das nie getraut.

Sie haben selbst auch mal gesagt, dass sie keine Ahnung von Fußball haben.

Ich muss nicht wis­sen, was die für ein Spiel­sys­tem haben. Aber ich weiß, wie man einen Klub verkauft. Ich weiß ja, wie das geht, ich hatte immer a Hetz mit den Jour­nal­is­ten.

Ich habe den Ein­druck, Ihnen fehlt das heute.

Nein, ich brauch das alles nicht mehr. Bitte lass mich in Ruh. Ich hab täglich und stun­den­lang nur mit Jour­nal­is­ten zu tun gehabt.

Und mit der Promi­nenz, die Sie in den VIP-Club gelockt haben.

Den hab ich ja noch selbst gestal­tet. Auf den Holzbänken an der Gru­abn hat sich jeder einen Span in den Hin­tern gezo­gen, der ein­mal hin und her gerutscht ist. Und wenn die Kom­men­ta­toren oben drüber a bissl gehüpft sind, ist unten der Staub auf die Brötchen gebröselt. Was wir dort gelacht haben.
Und Sie lachen noch heute. Allein die Duschen in der Gru­abn: Wenn einer a bissl mehr Wasser gebraucht hat, ist ihm die Brause auf den Schädel gekracht und der hatte dann a leichte Gehirn­er­schüt­terung.

Zu diesen Geschichten gehört auch, dass die Mietrechte für den his­torischen Spielort von Sturm Graz in Ihrer Ära an die Stadt zurück­verkauft wer­den mussten.

Du hättest dort auch nicht mehr spie­len kön­nen. Ich kann mich daran erin­nern, dass wir gegen Salzburg gespielt haben: 10.000 hät­ten Platz gehabt, 13.000 waren drin. Die Leut\’ haben schon geschrien, weil sie nichts gese­hen haben, und sind auf die Telegrafen­mas­ten gek­let­tert. Die hat­ten schon ihre Steigeisen mit, um da hochzukom­men.

Sie haben gesagt, Sie kön­nten näch­stes Jahr in Pen­sion gehen. Es fällt mir schwer, das zu glauben.
Irgend­was mach ich schon noch neben­bei. Dass ich mich kom­plett zur Ruhe setze, geht bei mir gar nicht. Aber ich würde nie mehr in einem Sportverein etwas machen. Und wenn ich dafür Mil­liar­den hätte.
Hannes Kartnig
Weil Sie ein gebran­ntes Kind sind?

Wegen der ganzen Undankbarkeit. Die Fans tun heute so … Der Hoeneß von den Bay­ern hat das ja ganz richtig gesagt. Die verkaufen ihre VIP-Logen total clever, haben ein super Konzept. Und dann ste­hen dort ein paar tausend Indi­aner, sind nei­dig und schreien herum. Da hat der Hoeneß gesagt, dass sie froh sein sollen, dass die VIP-Gäste den hal­ben Ein­trittspreis für sie zahlen. Und dann immer diese Auss­chre­itun­gen, das kann ich nicht mit anschauen. Wenn ich heute was zu reden hätte: Das Gesin­del hätte ich raus­geschmis­sen. Ich stell Mega­fone auf, mach Papier­at­trap­pen und fahr das ganze Pro­gramm. Ich brauch solche Indi­aner nicht, die nur für sich da sind, ihre eige­nen Trikots verkaufen, und der Jauk gibt auch noch das Logo frei. Und dann machen sie die Bänke hin und reißen die Ses­sel raus. Was wir wegen der ben­galis­chen Feuer an Strafe gezahlt haben, war ein Wahnsinn. Die Fans haben damit nur Schaden angerichtet. Aber das wollen sie nicht sehen, nur weil sie Stim­mung machen. Da nehm ich lieber a Mega­fon und mach das sel­ber. Ich brauch keine abnor­men Fans. Du musst ja heute auf­passen, dass sie die Spieler nicht nieder­schla­gen. Wo samma denn? Und das sind ja nur a paar Idioten und dann machen noch ein paar mehr Idioten mit. Mit dem Gesin­del will ich nichts mehr zu tun haben.

Was wollen Sie dann machen?

Ich hab meine Firma und werde da weit­er­ar­beiten.

Die Ambi­tio­nen, die man jetzt bei Frank Stronach und Diet­rich Mateschitz sieht, sind Ihnen fremd?
Na, das brauch ich nicht. Was soll ich in die Poli­tik gehen? Wenn ich Schmäh führen will, setz ich mich an den Stammtisch.

Herr Kart­nig, vie­len Dank für das Gespräch.