Michael Thurm. Ich war mal Journalist.

Februar – ein Tag weniger macht auch nichts besser

Der Wulff tritt endlich zurück und ein Prinz wird im Schnee ver­schüt­tet. Das sind die Nachrichten, die uns bewe­gen und Nachricht­en­mod­er­a­toren zum immer gle­ichen Fra­genkat­a­log greifen lassen. Was ist da los? Wis­sen sie mehr? Wie geht es weiter? Ich muss unbe­d­ingt aufhÖren Fernse­hen zu schauen. Aber er steht halt da, der Fernse­her. Und ich bin das davor sitzende Kind dieser Zeit. Also: Opfer der Umstände. Und als solches komme ich auch im Feb­ruar nicht an meiner Ther­a­pie vorbei.

Anfang des Monats schien das erste meiner Lieblingslän­der nur noch aus Faschis­ten und Antifaschis­ten zu beste­hen. Irgendwer ist sich bei einem Ball auf der Nase herumge­tanzt und irgendwer wollte dann seine jour­nal­is­tis­che Kar­riere ein biss­chen auf­polieren. Dann wollte noch ein Nachricht­en­sprecher, seine eh schon über­schätzte Pop­u­lar­ität steigern, indem er uns erk­lärte, was man, also wir und ein ihm gegenüber­ste­hen­der Poli­tiker, sagen darf und was nicht. Und der ste­hende Poli­tiker kommt auf­grund eingeschränk­ter Auf­fas­sungs­gabe nicht auf die Idee, das man sich auf so eine Diskus­sion gar nicht ein­lassen kann und darf und muss. Aber so sehen sie halt aus, die elfminüti­gen Glanzs­tun­den des Ter­ror­is­mus. Jour­nal­is­mus. Halt irgend so ein Ismus. Nun bin ich ganz und gar nicht dafür, dass belei­digt und ver­harm­lost wird und am aller­wenig­sten bin ich dafür, dass ein jeder schräge Ver­gle­iche anstellen darf – das bleibt bitte mir und meines­gle­ichen vor­be­hal­ten. Wir wer­den dafür bezahlt – aber wer ist der (oder diejenige), der (oder die) dafür Regeln festlegt?

Ich hab auch keine Lust den Heinz Chris­t­ian zu vertei­di­gen, mit dem ich natür­lich nicht per Du bin, aber dessen Namens­brand­ing auch nicht jeder mit­machen muss, der dafür nicht bezahlt wird. Mir wäre ja der Armin Wolf grund­sät­zlich viel sym­pa­this­cher, also zumin­d­est grund­sät­zlich. Wenn er sich halt nicht so ereifern würde. Und ich bin in diesem Fall aus­nahm­sweise nicht erregt, im Gegen­teil. Ich sehe mit grÖßter Entspan­nung die Bestä­ti­gung dafür, dass ich nicht in die Poli­tik gegan­gen bin, obwohl die Poli­tik natür­lich von Glück reden kÖn­nte, wenn ich sie began­gen hätte. Aber wer kann das nicht von sich sagen. Ich bekomme statt dessen immer Öfter Lust, durch die Straßen zu laufen und WÖrter zu rufen, die \“man nicht sagen soll\”. »Neger, ich hab euch lieb.« Das kÖn­nte man auch an Häuser­wände sprühen. Und andere Schweinerein. Aber das Inter­net ist ja keine Hauswand, also lassen wir das. Es gibt wichtigeres. Wenn ich nur wüsste, was.

Mein Bun­de­spräsi­dent? Nicht wirk­lich. Fast hatte ich mich entsch­ieden, dass Wulff am besten doch im Amt bliebe, der Gesellschaft den Spiegel der Kleinkari­ertheit vorhal­ten und so weiter, da tritt er doch zurück. Im Wis­sen und mit der Überzeu­gung nicht und niemals nicht etwas falsch gemacht zu haben. Seit­dem redet das zweite meiner zahlre­ichen Lieblingslän­der über Frei­heit von der keiner weiß, wessen Frei­heit es ist und von wem oder was wir denn befreit sind und sein soll­ten, dieses Land und mit ihm die grÖßten seiner Zeitun­gen reden also darüber, ob der kün­ftige Bun­de­spräsi­dent nun heiraten soll oder nicht. Oder ob er es sollen muss oder nur dür­fen kann. Beim amtieren­den Bun­de­spräsi­den­ten namens See­hofer (auch ein Horst), den ich zuletzt mit einem Humpen Bier in der Hand sah, wurde die gle­iche Geschichte vor einiger Zeit auf den Leser­brief­seiten der Bun­ten abgewürgt. Engagierte Haus­frauen verord­neten per Akkla­ma­tion den Verbleib bei seiner Ehe­frau. Und auch da gilt: Wer ist wer, der hier das Recht zu urteilen hätte? Was gehen mich fremde Ehen an? Also, es sei denn, es geht um meine Fre­undin, meine Eltern, und meine Bun­de­sprä… Also nein. Schluss damit. War auch nicht wichtig genug.

Ist es wichtig, dass es seit Anfang Feb­ruar bere­its Bio-Ostereier zu kaufen gibt? Rot gefärbte Karika­turen einer biol­o­gis­chen Land­wirtschaft. Dabei befür­worte ich das im Grund­satz sehr. Aber in diesem Fall. Also darüber kÖn­nte ich mich … , aber wer bin ich … Also auch. Unwichtig.

Griechen­land? Griechen­land ist wichtig. Geht Griechen­land pleite, dann zer­bricht (Merkel) und explodiert (Sarkozy) Europa. So wird es prophezeit. Nicht von den Maya, nein­nein, son­dern von den Spitzen der Europäis­chen Fiskalregierung, die es nicht gibt, die aber von Trichet, Junker, Merkel, Sarkozy und Claus Kle­ber gebildet wird. Ihr Wäh­ler: Das Geld.
Alle Macht geht vom Geld aus muss es heißen, aber ich hab das Grundge­setz ja nicht geschrieben, das im übri­gen ein sehr vernün­ftiges wäre, wenn man es so ver­stünde, ich wie ich es ver­stehe. Aber wer bin ich, der ich das Grundge­setz mir vorzule­sen erlaube. Dafür gibt es schließlich Ver­fas­sungsrichter, die ausse­hen wie Rainer Brüderle im roten Mantel.

Die Mil­lio­nen also, die fliegen uns weiter um die Ohren, so schnell, dass wir immer mal wieder vergessen, dass es eigentlich Mil­liar­den sind. Noch mehr Mil­liar­den, als je Kor­rup­tion­se­mails zwis­chen Karl Heinz Grasser, der Telekom, der ÖVP, der ÖBB, der SPÖ und den News hin und hergeschickt wur­den. Eine unheim­liche Anhäu­fung von Nullen und eine Null war noch nie wichtig.

Außer im Binär­code, mit dem ich aber wenig anfan­gen kann. Das kÖn­nen nur Acta-Demonstranten und Actin­nen, die ich natür­lich ganz beson­ders fre­undlich als Leser und Leserin­nen begrüße. Darf ich Ihnen vielle­icht was zahlen, weil Sie hier zu Besuch sind? Ein paar mehr Nullen auf dem ein oder anderen Konto fallen doch heute nicht mehr auf. Die Kor­rup­tion ist abgeschafft, weil längst Nor­mal­ität; das Briefge­heim­nis auch, weil Trans­parenz über­all. Es folgt: die Abschaf­fung Griechen­lands, weil Insol­venz nicht mehr vorge­se­hen ist und noch nie vorge­se­hen war. Finden Sie jetzt, dass ich da zu krude argu­men­tiere? Obwohl von argu­men­tieren kann ja bei mir keine Rede sein. Werfe ich Ihnen zu viele Dinge in den gle­ichen Topf? Ich bitte um Entschuldigung, aber so kann es einem schon mal gehen, wenn man gern kocht und Zeitung liest. Da ver­schwim­men die Unwichtigkeiten der Zeit und der Welt und der Bild zu einer Suppe aus Nichtigkeiten. Nullen zu Fet­tau­gen. Die machen wenig­stens satt.

Satt kÖn­nte man auch den Fem­i­nis­mus haben, aber soweit kriegen Sie mich nicht. 30 Prozent Frauen fordern Jour­nal­istin­nen für ihre Chefe­tage. Die Etage. Ist ja schon mal ein Erfolg. Aber 30 Prozent? Also 40 ist ja das Min­i­mum. Und zwar für alle Geschlechter. Denn selb­stver­ständlich gibt es typ­is­che Män­ner­berufe, aber Chefin sicher keiner davon.

Näch­ster Ver­such der Wichtigkeit: Das Sparpaket in Öster­re­ich. Das legt doch mal ein Fun­da­ment für die Zukunft. Wir wis­sen nur nicht, ob die Bausteine für eben dieses Fun­da­ment nun Stolper­steine oder Kiesel­steine sind. Ich habe mir da ein paar Zahlen und Maß­nah­men zusam­men­ge­le­sen und drei Tage später hab ich meine Steuer­erk­lärung gemacht. Bei mir ist nichts zu holen. Zum Glück. Aber selbst wenn etwas zu holen wäre, dann wird es nicht lang dauern, bis dieser für­sor­gliche Staat in Ver­ant­wor­tung für alle Schwachen – und schwach kÖn­nen und wer­den wir alle sein – bis also der Staat das, was noch zu holen ist, auf ein solches Min­i­mum reduziert hat, dass nicht ein­mal ein Bun­de­spräsi­dent helfen würde, der sich Frei­heit auf die Stirn tätowieren ließe. Ja, Leibeigen­schaft und Dik­tatur sind über­wun­den, heute läuft die Ökonomis­che Abhängigkeit etwas sub­tiler von­stat­ten. Sie tarnt sich in den For­mu­la­ren E1, E6, K1, K2 und U1. Dazu kom­men die Beila­gen, die kenne ich sonst nur vom Mit­tagessen: E 1a, E 1b, E 1c, L 1i, L 1k und E11. Klin­gen auch alle so wie das Mit­tagessen, dass ich zum Glück nicht mehr esse. Und nicht mehr essen werde, so lange mir der Staat noch erlaubt zu entschei­den, was ich essen kann und darf. Frei­heit ist auch Ökonomis­che Frei­heit. Ein großes Wort, aber wer bin ich, der das zu sagen hat? Frei­heit kann ja auch sein, als armes Schwein nicht geschlachtet zu wer­den. Ich glaube, jetzt habe ich was wichtiges gefun­den. Aber das halt nix mehr mit dem Feb­ruar zu tun.

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Ein Kommentar

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    Der Bet­tler schlägt kein Almosen aus, der Hund keine Bratwurst, der Krämer keine Lüge.